Vereinsziel: Gestalten von Teilhabe in Erziehung und Bildung

Ziel unserer Arbeit ist es, Erziehungseinrichtungen und behördliche Institutionen dabei zu unterstützen, Kindern und Jugendlichen mit visueller Wahrnehmungsorientierung ihr Recht auf Nutzung der Gebärdensprache einräumen zu können.

Derzeit steht zur Umsetzung der Ziele zur gleichberechtigten Teilhabe an Bildung verstärkt die Sozialhilfe in der Pflicht, da von Schulseite her noch nicht genügend gebärdensprachliche Fachkräfte für Gebärdensprache zur Verfügung stehen und noch keine pädagogischen Strukturen geschaffen sind für eine durchgehende Kommunikation in Deutscher Gebärdensprache.
Besonders am Herzen liegt uns der Bereich der frühen sprachlichen Förderung, damit kein Kind in seiner natürlichen Sprachentwicklung Behinderung erfahren muss und auch für Kinder mit Hörminderung die Voraussetzungen dafür erfüllt werden, einmal unabhängig und ihren Fähigkeiten und Begabungen entsprechend selbstbestimmt leben zu können.

Jedes Kind und jeder Jugendliche hat das Recht auf eine seinen Fähigkeiten entsprechende Teilhabe und Bildung. Außerdem haben auch Kinder mit Behinderung seit dem Schuljahr 2015/2016 u.a. in Baden-Württemberg das Recht, sich für eine Schule frei zu entscheiden, das heißt, es gibt keinen Zwang mehr zu dem Besuch einer Förderschule. Die neuen Bildungspläne (seit 2016) gelten gleichermaßen für Förder- und Regelschulen (nur das Gymnasium hat einen eigenen Bildungsplan), und sie sind so gestaltet, dass Lehrerinnen und Lehrer einer Schulklasse flexibel auf die unterschiedlichen Bedürfnisse und Niveaus der Schülerinnen und Schüler eingehen können.

Was den Bildungsplan der Schule für Hörgeschädigte angeht, der für hörgeschädigte Schülerinnen und Schüler ergänzend zum regulären Bildungsplan gilt, gibt es seit dem Jahr 2013 in Baden-Württemberg die „Handreichung Deutsche Gebärdensprache“. Dort werden Kompetenzen genannt, die Schülerinnen und Schüler mit Hörschädigung im Laufe ihrer Schulzeit erwerben sollen.

Demnach sollen SchülerInnen und Schüler mit Hörminderung darin gebildet werden:

 - In Gebärdensprache zu kommunizieren und zu interagieren. Das bedeutet zum Beispiel, dass Schülerinnen und Schüler dahin geführt werden sollen, dass sie Geschichten in Deutscher Gebärdensprache (DGS) erzählen, ihren eigenen Standpunkt vertreten, und Gespräche in DGS verfolgen können sollen.

 - Gebärdensprache zu verstehen und anzuwenden. Das heißt, dass gehörlose Schülerinnen und Schüler genau wie in Deutsch auch in  Deutscher  Gebärdensprache alle wichtigen grammatischen Regeln verstehen und anwenden können sollen.

Schulen, die diesen Bildungsauftrag aufgrund mangelnder Lehrkräfte mit gebärdensprachlicher Orientierung nicht verwirklichen können, sind auf die Unterstützung durch externe Fachkräfte angewiesen.

Denn gesetzlich gilt für Kinder und Jugendliche mit gebärdensprachlicher Kommunikationsorientierung das Recht auf

– möglichst weitgehende Teilhabe am Leben in der Gesellschaft

– Nichtbenachteiligung

– Inklusion

– Barrierefreiheit

– die Achtung von den sich entwickelnden Fähigkeiten von Kindern mit Behinderung
   und die Achtung ihres Rechts auf Identität

- das Recht auf Verwendung von Gebärdensprache unter Anerkennung der Deutschen
  Gebärdensprache als eigenständige Sprache, lautsprachbegleitende Gebärden als
  Kommunikationsform der deutschen Sprache, sowie die Erstattung der erforderlichen
  Aufwendungen für Dolmetscherdienste [...] in entsprechender Anwendung des
  Justizvergütungs- und Entschädigungsgesetzes.

Aus: Landesgesetz zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung, das am 1 Januar 2015 in der Verantwortung zur Umsetzung der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen, die Deutschland bereits im Jahr 2009 ratifiziert hatte, in Kraft getreten ist.

Kinder und Jugendliche haben einen gesetzlich formulierten Anspruch auf

– eine angemessenen Schulbildung und dürfen dafür Leistungen in Anspruch
   nehmen, die dafür da sind, "die Behinderung abzuwenden, zu beseitigen, zu
   mindern...oder ihre Folgen zu mindern“

– die ganzheitliche Förderung der persönlichen Entwicklung, auf Teilhabe am Leben
   in der Gesellschaft und auf das Ermöglichen oder Erleichtern einer selbstständigen
  und selbstbestimmten Lebensführung.

Aus: Sozialgesetzbuch


Dolmetschen in Erziehungs- und Bildungseinrichtungen

Das Dolmetschen von Laut- in Gebärdensprache und umgekehrt ist keine pädagogische Leistung.
In Erziehungs- und Bildungseinrichtungen ist Gebärdensprachdolmetschen in allen Gruppen und Schulklassen erforderlich, wo sowohl Kinder und Jugendliche mit lautsprachlicher als auch Kinder und Jugendliche mit gebärdensprachlicher Orientierung teilnehmen, also auch in Lernsettings, wo zwei Lehrkräfte jeweils eine Sprache bedienen. Gebärdensprachdolmetschen ist hier eine Leistung zur Teilhabe.
In Bildungseinrichtungen, wo keine gebärdensprachlichen Lehrkräfte zur Verfügung stehen, kann ein/e gebärdensprachorientierte/r Schüler/in nur über Gebärdensprachdolmetschen am Bildungsangebot voll teilhaben. 

GebärdensprachdolmetscherInnen werden für den Bildungsbereich beim Sozialamt beantragt und nach dem JVEG honoriert. Der Antragsteller ist grundsätzlich berechtigt, die Dolmetscher frei zu wählen. Eine Liste der Dolmetscher in Baden-Württemberg finden Sie über die Homepage des Landesverbands der Gehörlosen in Baden-Württemberg. Gerne helfen wir Ihnen bei der Antragstellung und Organisation der Leistung.
Der Rechtsanspruch besteht in allen Bundesländern.
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